Vom 08.08. – 09.09. blüht die Heide. Sagt man. Aber als ich letzte Woche auf den Hasselbrack stieg – den höchsten Berg von Hamburg – war sie noch in Lila-Laune. Wie immer, wenn ich mich auf die andere Elbseite begebe, war ich vollkommen überrascht, wie schön es im »Süden« ist. Wie anders als im Norden. Und wie schnell man von der City die idyllischsten Gegenden erreicht. Zum Beispiel eben in die Fischbeker Heide.
Die zweitgrößte Kulturlandschaft dieser Art nach der Lüneburger Heide grenzt an eben diese, gehört aber noch zu Hamburg; konkret zu Harburg und ist gar nicht so schlecht mit Öffis zu erreichen. Dementsprechend darf man an ihren Einfallstoren auch nicht die pure Einsamkeit erwarten.
Man kann der Meute aber überraschend schnell davon wandern. Am besten auf dem W1 oder dem Heidschnuckweg – das absolute Ober-Highlights unter den Heide Highlights startet in der Fischbeker Heide. Mehrfach prämiert gehört der Top-Trail selbstverständlich auf die Bucket-List passionierter Wander:innen.
Bei jedem Ausflug in die Lüneburge Heide frage ich mich, warum ich das nicht öfter mache. Selbst »Freizeitattraktionen« (die ich in Schleswig-Holstein meide wie die Pest), erscheinen mir hier höchst vergnüglich. Besonders, wenn die Heide-Hochsaison zuende geht. Also jetzt.
Heide Highlights, die sich lohnen
Weil die Heide ja nicht immer blühen kann, hat sich die Region eine Menge einfallen lassen. Nicht wenige Angebote habe ich lange Zeit für seltsam gehalten. Ganz vorn dabei der Barfußpark Egestorf. Wann immer ich an der braunen Infotafel an der A7 vorbeidüste, fragte ich mich, wer zum Henker dazu Lust haben könnte. Aber das geht mir oft so mit diesen Schilder, die in der Straßenverkehrsordung als »Touristische Unterrichtstafeln« bezeichnet werden.
Wäre ich nicht quasi zur Recherche für das Buch »Waldpfade Hamburg« gezwungen worden, hätte ich den Barfußpark Egestorf auf sicher nie besucht. Es war dann aber ganz anders anders als erwartet, knapp drei Kilometer barfuss durch den Wald zu gehen, über Wiesen und in die Heide hinaus. Nämlich: richtig toll.
Überraschend entspannt: der Barfußpark Egestorf
Beim Barfußgehen ist Achtsamkeit im Grunde inkludiert. Wer will sich schon verletzen oder stoßen. So nimmt man die 60 Sinnesstationen sehr bewusst wahr. Den Klang von Waldmegephon und Aelosharfe. Die Luft im Salzineum und den Duft im Kräutergarten. Den deutlichen Temperaturwechsel, wenn man vom Wald in die offene Landschaft schreitet. (Ja, schreitet. Die Körperhaltung ist eine ganz andere als in Schuhen. Die richtige nämlich.)
Wer noch mehr an seiner inneren wie äußeren Balance arbeiten möchte, bringt eine Yoga-Matte mit, um im Yogawald den Sonnengruß und acht weitere klassische Yoga-Übungen zu praktizieren. Falls noch ein warmer September-Tag kommt, kann ich nur empfehlen, es einmal auszuprobieren. Es ist ein komplett anderes Erlebnis als vorm Laptop zwischen Sofa und Wäscheständer.
Der Heide-Himmel im Herbst
Sollte der Altweiber-Sommer in diesem Jahr ebenso ausfallen wie der Hochsommer, ist das auch kein Drama. Das habe ich mit Beginn der Pandemie gelernt. Ich glaube nicht, dass ich je wieder zum Übers-Wetter-jammern zurückfinden werde. Es ist eben, wie es ist und es gibt Schlimmeres, als sich warmzulaufen. Selbst für diejenigen, die Wandern langweilig finden, hat die Heide was in petto.
Im Hanstedter Ortsteil Nindorf führt Norddeutschlands höchster Baumwipfelpfad weit über die Kronen des Kiefern- und Fichtenwaldes hinaus. Am Ende des 700 Meter langen und barrierefreien Weges verspricht ein 54 Meter hoher Aussichtsturm atemberaubende Fernsicht.
Bis nach Hamburg reicht der Blick. Und wenn dabei doch Wanderlust in einem hochsteigt, empfiehlt sich der nahegelegene Hanstedter Wald- und Kulturpfad. Er windet sich knapp fünf Kilometer durch die Hanstedter Berge zum Hexentanzplatz. Seine Geschichte ist nicht, wie man vermuten könnte, mittelalterlich, sondern reicht nur 100 Jahre zurück.
In den 1920er Jahren war dieser abgelegene Ort bei Hamburger Naturisten und der Wandervogelbewegung schwer in Mode. Sie trafen sich hier zu »unbekleideter Sonnenanbeterei und extatischen Tänzen«. Heute würde man das Rave nennen. Damals vermuteten die Einheimischen einen Kult und bald machte das Gerücht die Runde, dass dort oben die Hexen tantzen.
Auf der wirklich märchenhaften Tour durch den Wald passiert man auch den Töps, eine Heidehochfläche 100 Meter über Normalnull. Zur Heideblüte soll es auf dem Hochplateau sehr viel ruhiger zugehen als rund um die bekannteren Heide Highlights. Kann man ja mal ausprobieren. Nächstes Jahr dann.
Beste Zeit für Heide-Highlights und Link-Service
Heidschnuckenweg: Vor- und Nachsaison, zur Etappe 1 geht´s hier
Heideblüte: meist Mitte August – für mehr Infos Heideblüten-Barometer
Barfußpark Egestorf: ideal ist ein warmer Wochentag im September
Baumwipfelpfad Heide-Himmel: bei klarer Sicht
Wald- und Kulturpfad Hanstedt: zur Blattfärbung im Oktober/ November
Ach menno, man kann einfach nicht überall sein. Schön ist das Leben. Ihr zeigt das mal wieder.
Wenn ich mich nicht irre, gehört Hamburg zu den grünsten Städten überhaupt.
Genießt den Herbst.
Liebe Grüße in den Süden
Kai
Stimmt – Hamburg ist ziemlich grün. Aber es dürfte ruhig noch grüner werden. Liebe Grüße aus dem Norden (Holmsland Klit aktuell), Stefanie
Is scho schee!
Schöne Tipps wieder, danke! Den Heidschnuckenpfad habe ich mir vor Jahren mal ausgedruckt, bin ihn aber nie gegangen … 😀
Den Baumwipfelpfad gab es zu „meiner Zeit“ noch nicht, sowas stelle ich mir aber ganz toll vor.
Der Baumwipfelpfad ist auch ganz toll. Noch besser müssen die in den bergigen Regionen sein; auf jeden Fall viel, viel höher. Vom Heidschnuckenweg kann ich zumindest die ersten fünf Etappen wärmstens empfehlen. Echt ein Traum!